iBoy (Kurzkritik)

31. März 2017

Was?! Diesen Monat nur einen einzigen Film gesehen? Das kann nicht so bleiben. Abhilfe schafft da der britische Netflix-Beitrag iBoy, der vor allem wegen seiner nicht unprominenten Besetzung interessant erschien.

Tom (Bill Milner) ist ein Teenager, der kurz vor seinen Abschlussprüfungen steht und nach dem frühen Drogentod seiner Mutter mit seiner Großmutter (Miranda Richardson) in einem Londoner Problemviertel lebt. Als er seine Schulfreundin Lucy (Maisie Williams) abends besuchen will, bekommt Tom mit, wie sie von maskierten Männern vergewaltigt wird. Beim Versuch die Polizei mit seinem Smartphone zu verständigen, wird Tom von einem der Angreifer in den Kopf geschossen. Tom überlebt ohne schwerwiegende Schäden, es bleiben jedoch Splitter des Handys in seinem Gehirn zurück. Dadurch entwickelt Tom eine besondere Sensitivität und kann alle Arten von Computern, Mobiltelefonen und Laptops manipulieren. Heimlich beginnt er seine Gabe zu nutzen, um die verschiedenen Gangs des Viertels aus dem Verkehr zu ziehen…

Wäre der auf dem gleichnamigen Roman von Kevin Brooks (Bunker Diary) basierende Film iBoy nicht vom Streaminganbieter Netflix mitproduziert worden, so hätte er außerhalb des (noch) Vereinigten Königreiches sicherlich kaum ein Publikum erreicht. Die prominente Besetzung, Bill Milner (X-Men: First Class, Son Of Rambow), Maisie Williams (Game Of Thrones), Miranda Richardson (Merlin, The Hours) sowie Rory Kinnear (Skyfall, Penny Dreadful), gereicht dem kleinen Thriller kaum zum Nachteil. Der Streifen von Regisseur Adam Randall (Level Up) glänzt durch seine schnörkellose, unaufgeregte Inszenierung ohne großes Effektgewitter. Der pulsierende Elektronikscore von Max Aruj und Steffen Thrum unterstreicht die bedrohliche Atmosphäre der von Gangs bevölkerten Häuserschluchten, in denen Tom und Lucy wohnen. Inhaltlich bleibt allerdings ziemlich viel auf der Strecke. Auch wenn man in 90 Minuten doch eine gute Geschichte erzählen kann und sich der Film nicht mit Nebensächlichkeiten aufhält, versagt Iboy gerade in dieser Hinsicht. Die Auswirkungen von Toms Fähigkeit auf seine Gesundheit wird kaum thematisiert. Es fehlt den Figuren auch an nötigem Hintergrund. Zwar erwartet man keinen zweiten Kick-Ass aber etwas Humor hätte dem ganzen Werk sicherlich gut zu Gesicht gestanden, auch wenn natürlich der grimmige, düstere Ansatz nicht unpassend wirkt. Insgesamt scheint die britische Produktion einiges mit der deutschen Krimiserie Tatort gemein zu haben. Ansprechende Aufmachung, aber inhaltlich wäre mehr drin gewesen.

iBoy kann man sich seit dem 27. Januar 2017 bei Netflix ansehen.

iBoy
Science-Fiction-Thriller UK 2017. 90 Minuten. Mit: Bill Milner, Maisie Williams, Miranda Richardson, Jordan Bolger, Charley Palmer Rothwell, Rory Kinnear u.a. Regie: Adam Randall. Drehbuch: Joe Barton, Mark Denton, Jonny Stockwood. Nach dem Roman von Kevin Brooks.

Bild (c) Netflix.


Media Monday #300 – Jubiläumsausgabe

27. März 2017

Der Frühling ist da. Die Uhren stehen (leider) wieder auf Sommerzeit. Und der Media Monday feiert Jubiläum! Juhu!!! …

Zugegebenermaßen bin mit dem Jubilieren etwas spät dran. Aber gestern Abend war ich noch mit dem Schreiben der Besprechung von The Fall – Series Three beschäftigt, während ich mit einem Auge so halb das schnarchige Qualifikationsspiel der Deutschen Fußballnationalmannschaft für die WM 2018 (4:1 in Baku gegen Aserbeidschan) verfolgte. Tags zuvor gab’s zwischendurch zur Abwechlung einen verdienten Verriss, siehe hier.

Doch nun zum tieferen Sinn dieses Beitrags! Die besten Glühstrümpfe an Meister Wulf für 300 Ausgaben des Media Mondays, der uns seit fast gut fünf Jahren (Ende Dezember 2011) zu jedem Wochenbeginn mit sieben neuen Fragen zum Thema Filme, Serien, Bücher und weiteren Medien versorgt, dadurch für viele Blogger zum wöchentlichen Ritual geworden ist. Ich selbst bin seit Nr. 56 dabei, das war im Juli 2012. Da ich dann doch ein paar Mal ausgesetzt habe, komme ich vermutlich auf etwa 240 Beteiligungen. Auf ein Neues!

1. Besonders schätze ich am Media Monday die Abwechslung, die Konstanz von Meister Wulf, und natürlich den Austausch mit unterschiedlichen Bloggern.

2. Was ich mir hingegen vom Media Monday wünschen würde, ist das bei meinen Antworten mehr Leute kommentieren. Ja, ihr da draußen, seid nicht so schüchtern! Ich beiße nicht. Zumindest nicht fest. 😉

3. Was wiederum meine Blogger-KollegInnen (auf MM-TeilnehmerInnen oder allgemein bezogen) angeht, gefällt mir besonders die Vielfalt ihrer Beiträge.

4. Derweil ich mir öfter wünschen würde, dass die anderen BloggerInnen siehe Antwort zu Frage 2.

5. Und in den nächsten 300 Ausgaben des Media Monday werde ich gegen alle Widerstände wieder mit von der Partie sein.

6. Bleibt mir anlässlich des heutigen Jubiläums nur noch zu sagen: nochmals danke an den nimmermüden Medienjournalisten Wulf!

7. Und um die obligatorische letzte Frage nicht zu vernachlässigen, habe ich zuletzt siehe Eingangstext und das war ____ , weil ____ .

 




Legends Of Tomorrow – Folgen 1 und 2

25. März 2017

Die Ausbreitung der Superhelden in Kino und Fernsehen kennt keine Gnade. Ebenso wenig Grenzen. Wie ließe sich sonst erklären, dass nach The Flash, Arrow und Supergirl noch eine TV-Serie aus den Untiefen der DC Comics produziert wird?

Legends Of Tomorrow – Folgen 1 und 2 (DC’s Legends Of Tomorrow – Pilot)
Science-Fiction-Serie/Comic-Adaption USA 2016. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. 82 Minuten. TV-Erstausstrahlung: 30. August 2016.
Mit: Arthur Darvill, Victor Garber, Brandon Routh, Caity Lotz, Franz Drameh, Ciara Renée, Falk Hentschel, Dominic Purcell, Wentworth Miller u.a. Idee: Greg Berlanti, Marc Guggenheim, Andrew Kreisberg, Phil Klemmer. Nach Charakteren aus DC Comics.

 

Generics Of Yesterday

Der Zeitreisende Rip Hunter (Ex-Doctor-Who-Companion Arthur Darvill) versammelt im Januar 2016 eine heterogene Truppe von Superhelden und -schurken, um den unsterblichen Superbösewicht Vandal Savage (welch subtiler Name) davor abzuhalten, die Menschheit im Jahr 2166 zu versklaven. Zum unfreiwillig zusammengetrommelten Team gehört ein hochintelligenter Wissenschaftler mit Brille (Victor Garber), der gemeinsam mit einem jungen, afroamerikanischen Automechaniker (Franz Drameh) die menschliche Fackel spielen kann. Außerdem die vielfach wiedergeborenen Silverhawks (Ciara Renée, Falk Hentschel), eine austauschbare blonde Kampfmieze (Caity Lotz), der schrumpfbare Ant-Man (Brandon Routh) sowie zwei fiese Gangster, einer mit Eismaschinekanone (Wentworth Miller), der andere (Dominic Purcell) mit Spaceballs dem Flammenwerfer. Auf Hunters Zeitschiff (das wider Erwarten von außen nicht wie eine britische Polizei-Notrufzelle aussieht, dafür aber verdächtig wie Han Solos Millennium-Falke) reist das bunte Nonett durch die Zeit, um den wilden Vandalen ausfindig zu machen…

 Nein, das ist nicht der neue Doctor!

Aufgrund einer losen Empfehlung aus meinem Freundeskreis habe ich mir frohen Mutes den Piloten der Serie, also die ersten beiden Folgen, angesehen. Was sich mir da präsentiert hat, ist leider nicht so schlecht, dass es schon wieder lustig wirkt. Nein, Legends Of Tomorrow stellt vielmehr eine unermüdliche und recht humorlose Aneinanderreihung bereits x-fach ausgelutschter Comichelden-Tropen dar, die mit einem ebenfalls nicht ganz neuen, epochalen Zeitreiseplot vermixt wurde.

Vor allem die „Einführung“ der „Charaktere“ wird mit einer unbeirrbaren Wurschtigkeit abgefrühstückt, dass mir vom vielen Kopfschütteln eigentlich schon nach zehn Minuten der Nacken himmlisch schmerzen müsste. Ist dies etwa meine Superkraft? Wie konnte so ein uninspirierter Käse die Pilot-Phase überstehen? Das wissen nur die Bosse des US-Networks The CW, welches sein junges Publikum wohl noch nie für besonders intelligent hielt, und deshalb von ihrem hausgemachten Superhelden-Quark XY mittlerweile schon die dritte Staffel geordert haben. Wie schon bei The Flash und Arrow tummeln sich hier weitgehend auf Autopilot agierende Hochglanzgesichter ohne Profil, die natürlich in jeder Lebenslage top gestylt und perfekt geschminkt sind. Neben Dialoghülsen von Dreijährigen für Dreijährige saugen sich die Drehbuchautoren um das unkreative Terror-Quartett Berlanti/Guggenheim/Kreisberg/Klemmer immer wieder völlig konstruierte Wendungen aus den Fingern, die besonders dämlich wirken, wenn sie emotional sein sollen. Die ganze Chose ist aber zugegebenermaßen fehlerlos inszeniert, aber bei dem Geld, was hier für die Produktion verschleudert wird, darf man nichts anderes erwarten.

Mit tausend Anspielungen auf ihre bisherigen Auftritt im Arrowverse, allen denkbaren Klischees und faden Meta-Witzchen wird versucht, so etwas wie eine Team-Dynamik aufzubauen. Oder was die Autoren dafür halten. Wenn das alles nur nicht so abgedroschen und uninspiriert wäre! Das wirkt selbst die überwiegend langweilige, auf Endlosigkeit ausgelegte Konkurrenz-Show Marvel’s Agents Of S.H.I.E.L.D. wie eine HBO-Produktion. Daher werde ich mich nach zwei Episoden aus diesem erzählerischen Nirgendwo zurückziehen und stattdessen lieber die aktuelle Folge von Legion erneut anschauen.

Fazit: Ein Doctor-Who-Klon rekrutiert die DC-Avengers, und das in schlecht. Oder anders gesagt: Legends Of Tomorrow ist das Superheldenserien-Äquivalent eines Helene-Fischer-Schlagers. 1 von 10 Punkten.

Bilder (c) Warner.


Media Monday #299

20. März 2017

Das große Jubiläum des Media Mondays nähert sich mit Riesenschritten. Und der Frühling ist quasi schon da…

Wenn ich in der vergangenen Woche nicht durch die gleißenden Sonnenstrahlen geblendet wurde oder dem Arbeiten nachging, habe ich medial wieder einiges erlebt. Gestern konnte ich endlich das Review zur zweiten Staffel von The Affair fertigstellen. Leider schon fertiggeschaut ist „Series 3“ der britisch-nordirischen Krimiserie The Fall – Tod in Belfast, mit meiner Lieblingsermittlerin Stella Gibson (Gillian Anderson). Die sechs einstündigen Folgen sind fast wie im Flug vergangen, und das obwohl es wahrlich kein leichter Stoff ist. Die Besprechung folgt bald.

Kuriosum am Rande: vorgestern habe ich eine Birne gegessen, die anscheinend besonders gesund war. Warum? Weil gleich zwei „Bio“-Aufklleber draufgepappt waren. Yeah!

Ansonsten findet ihr die neue Strophe meiner wöchentlichen Lobeshymne zu Legion bei den Antworten der heutigen Fragen von Wulf.

1. Wenn es um Eigenproduktionen von Streamingdiensten und dergleichen geht hat nach meiner Erfahrung derzeit Netflix mit Serien wie Love, Sense8 und Eine Reihe betrüblicher Ereignisse etwas die Nase vorn.

2. Die Inszenierung hat mich noch nie so fasziniert wie bei der Serie Legion, wo die gesamte Geschichte durch den Schnitt, die Kameraführung, die Ausstattung usw. wie ein psychedelischer Traum wirkt.

3. Die Meldung, dass die achte und letzte Staffel von Game Of Thrones nur aus sechs Folgen bestehen wird, kommt jetzt nicht so überraschend, wenn man News bezüglich der Serie in den letzten Jahren verfolgt hat.

4. Am liebsten sind mir ja Komödien, die anspruchsvollen oder stimmigen Humor mit einer nicht abgedroschenen Story kombinieren.

5. Den Zeichentrickfilm Die Rote Schlldkröte, der seit Donnerstag (16.03.) in den deutschen Kinos läuft, fand ich richtig ergreifend, schließlich hat mich das Zusammenspiel von Bildern und Musik mit der einfachen, aber universellen Geschichte wirklich zu Tränen gerührt.

6. Schade, dass man hierzulande bei den einheimischen Mainstream-Produktionen keinerlei Sinn für Genres fernab von Krimi, Geschichtsdrama oder Liebeskomödie hat. Es gibt seltenst etwas aus dem Bereich Science Fiction.

7. Zuletzt habe ich siehe oben und das war ____ , weil ____ .


Media Monday #298

13. März 2017

Nach einer geschäftigen, aber unspektakulären Arbeitswoche war das Wochenende recht abwechslungsreich, mit einem Kinobesuch, Netflix-Bingewatching und Youtube-Versumpfen. Das und mehr im heutigen Media Monday.

In für mich seltener Intensität habe ich am Wochenende Binge-Watching mit der seit Freitag auf Netflix abrufbaren zweiten Staffel von Love betrieben. Unterbrochen wurde die Komplettsichtung der 12 Episoden eigentlich nur von Schlafen, Essen und Einkaufen sowie dem Kinobesuch von Hugh Jackmans Abschiedsvorstellung als Wolverine.

 

Wäre ich am Sonntag Abend parallel zum Schreiben der Filmkritik zu Logan nicht noch bei Youtube versumpft, hätte ich wohl kaum die tollen Videos von/mit Amanda Palmer erlebt, wie sie unter anderem ihren einjährigen Sohn mit auf die Bühne bringt und während sie ihn auf dem Arm hat, ein Schlaflied auf deutsch trällert. Was für eine tolle Frau!

 

 

Aber nun zum Hauptthema dieses Beitrags:

1. Ein wenig habe ich das Gefühl, dass in letzter Zeit alle möglichen unoriginellen Filme und teilweise auch Serien produziert werden. Die x-te Version eines uralten Filmstoffes, die Realfilm-Version eines Zeichentrickfilms sowie die Serie zum Film von Anno Dazumal oder umgekehrt. In vielen Fällen frage ich mich auch ernsthaft, wer denn das Remake/Reboot von so manchem schlechten Film denn wirklich braucht. Niemand. Bemüht euch um originäre Geschichten, ihr Studiobosse da draußen!

2. Der Output der Hollywood-Studios ist so vorhersehbar, dass ich mittlerweile weniger Blödbuster anschaue.

3. Seit geraumer Zeit blieb Kino etwas auf der Strecke, denn es kommen nicht unbedingt gerade die Filme, die ich sehen möchte und ich habe derzeit viel Serien zu schauen/zu besprechen.

4. Kuchenbäcker Ned aus Pushing Daisies sticht bei den Kriminalermittlern für mich deutlich hervor, denn er kann mit seiner Gabe, Tote kurzzeitig wieder zum Leben erwecken und sie nach ihrem Mörder fragen. Praktisch, oder?

5. Wenn es um das Thema Fantasy geht kann ich mit dem 0815-Kram, der einem in Buchhandlungen „hinterher geschmissen“ wird, seit Das Lied von Eis und Feuer nichts mehr anfangen. Qualität setzt sich eben bei mir durch.

6. Die neueren Folgen von The Big Bang Theory sind inhaltlich reichlich mager, allerdings liegt das einfach daran, dass die „halbstündigen“ Episoden effektiv nur noch ca. 15 Minuten dauern. Irgendwann werden sie nur ca. 5 Minuten laufen und jede 15-Sekunden-Szene wird im US-Fernsehen von Werbung unterbrochen. Hässliche Fernsehwelt.

7. Zuletzt habe ich siehe Eingangstext und das war ____ , weil ____ .


Love: Staffel 2 (Kurzkritik)

12. März 2017

Ein seltenes Binge-Watching-Erlebnis hatte ich dieses Wochenende mit der zweiten Staffel der Netflix-Serie Love. Elf von zwölf Episoden habe ich ein einem einzigen Tag gesehen. Und hat es sich gelohnt?

Nachdem Mickey (Gillian Jacobs) Gus (Paul Rust) gestanden hat, dass sie nicht nur alkohol- und drogenabhängig, sondern auch süchtig nach Sex und Liebe ist, wollte sie eigentlich ein Jahr lang für sich allein sein und keine intime oder romantische Beziehung eingehen. Doch der Vorsatz mit Gus erstmal nur eine unverbindliche Freundschaft zu pflegen wird schnell gebrochen. Denn trotz ihrer großen Unterschiede können die beiden nicht voneinander lassen. Auch Mickeys australische Mitbewohnerin Bertie (Claudia O’Doherty) führt mittlerweile eine Beziehung, mit Randy (Mike Mitchell), einem gemütlichen und arbeitslosen Kumpel von Gus. Beide Paare haben mit diversen Schwierigkeiten und Hürden zu kämpfen. Werden Mickey und Gus diese überwinden können?

Von der ersten Staffel der Serie war ich letztes Jahr durchaus angetan, wenngleich inhaltlich so manches noch etwas unausgegoren wirkte und man leider trotz der „realistischeren“ Geschichte gegen Ende doch etwas in gängige Klischees verfiel. Mit Season 2 kann sich Love als authentische, unprätenziöse sowie vergleichsweise unglamuröse Mischung aus Beziehungskomödie und Liebes-Drama etablieren. Die Entwicklung der beiden Hautfiguren und die Dynamik ihrer etwas undefinierbaren Beziehung wirkt organischer und angenehm befreit von festgefahrenen dramaturgischen Zwängen anderer US-Serien. Vielleicht auch wegen meines seltenen Binge-Watching-Verhaltens kam es mir nicht so vor, als würde die Staffel aus 12 Episoden mit um die 30 Minuten Laufzeit pro Folge bestehen, sondern vielmehr wie eine Miniserie mit vier Teilen in Spielfilmlänge. Für 2018 ist bereits eine dritte Staffel angekündigt. Es wird auf jeden Fall interessant zu verfolgen, wie das Autorenteam um Judd Apatow, Lesley Arfin und Hauptdarsteller Paul Rust die „Love Story“ von Mickey und Gus weiterführt.

 

Alle 12 Folgen der 2. Staffel von Love sind seit dem 10. März 2017 bei Netflix abrufbar.

Love: Staffel 2 (Love: Season 2)
Comedy-/Drama-Serie USA 2017. 12 Folgen. Gesamtlänge: ca. 365 Minuten. Mit: Gillian Jacobs, Paul Rust, Claudia O’Doherty u.a. Idee: Judd Apatow, Lesley Arfin und Paul Rust.



Bilder (c) Netflix.


Die Chroniken von Adele T. Young

8. März 2017

Es war mittlerweile später Abend. Der Abend des Tages von Mary Trarys 18. Geburtstag. Ein Tag, nachdem nichts mehr so sein sollte, wie es bisher war. Nicht nur, weil die wunderhübsche Mary jetzt volljährig war und ihren weiteren Lebensweg theoretisch bestimmen konnte, ohne ihre Mutter Connie Trary ständig um Erlaubnis fragen zu müssen. Theoretisch zumindest. Denn was Mary an jenem heutigen Tag erfahren hatte, würde ihr Leben von Grund auf völligst verändern. Nachdem sie sich die letzten Jahre auffällig merkwürdig verhalten hatte und diesbezügliche Fragen immer abschmetterte, rückte Connie Trary am 18. Geburtstag ihrer einzigen Tochter endlich mit der Wahrheit heraus.

Connie und Mary Trary waren keine normalen Menschen, keine normalen Verkäuferinnen in einem eigenen Laden mit schickem, aber im Grunde unnützem, Dekorationsbedarf für Haus und Garten. Sie stammten aus einer langen Linie eines arkanen Geheimbundes, der sich seit Jahrtausenden zur Aufgabe gemacht hatte, finstere Kreaturen wie Vampire, Werwölfe, Zombies, Hedgefonds-Manager und andere „freie Finanzdienstleister“ zur Strecke zu bringen. Daher hatten die beiden vor ein paar Jahren auch dieses verwinkelte Apartment nicht weit entfernt von der Wall Street bezogen. Deswegen hatten beide ein merkwürdiges, magisches Mal unter dem linken großen Zeh, das ockerfarben aufleuchtete, wenn ein Vampir, Werwolf, Zombie, Hedgefonds-Manager oder ein anderer „freier Finanzdienstleister“ in der Nähe war. Connie hatte ihrer Tochter zu verstehen gegeben, dass sie jetzt ihr Leben dem Fortbestand des Ordens und dem Kampf gegen die mehrfach bereits genannten Menschenfresser widmen musste. Aber dabei hatte sich Mary doch schon so auf ihr Studium am College gefreut, welches sie dann zugunsten einer Karriere als Unterwäsche- oder Kosmetik-Model schnell abgebrochen hätte. Sie hatte sich als selbstbewusste, junge Frau im Alter von 12 Jahren vorgenommen, ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben zu führen. Und dabei macht ihr jetzt dieser blöde Geheimorden einen Strich durch die Rechnung. Nicht zu fassen.

Schlimmer allerdings war die Antwort auf jene eine Frage, deren Beantwortung Connie seit Mary sprechen konnte ausgewichen war. Wer ist mein wirklicher Vater? Es ist nicht unser tuckiger Friseur, richtig? Nein, es ist der erfolgreiche Star-Politiker Ronald Rump! Mary hatte vor Verzweiflung aufgeschrien. Das konnte nicht sein! Doch sie musste damit leben, immerhin zahlte Papa Ronald seit 20 Jahren brav Alimente. Es war alles zu viel Information für einen Tag. Mary lag im Bett und weinte sich in den Schlaf. Was würde aus der schrägen Beziehung zu ihrem besten Freund und Klassenkameraden José werden? José, der intelligente Typ mit der Hipster-Brille (manche an der Schule nannten ihn „Señor Friendzone“), der ihr unentwegt auf die durchaus üppigen Brüste und den Hintern starrte, auch wenn er vergeblich versuchte, sich es nicht anmerken zu lassen. Sie war ja schließlich nicht blind und taub. Die Freundschaft konnte sie wohl vergessen. Mit dem Wissen über die Geheimloge würde sie José auch unnötig in Gefahr bringen. Sie war dazu verdammt, gemeinsam mit ihrer Mutter (und deren merkwürdigen Bekanntschaften) gegen das Böse zu kämpfen, bis ihr Traumprinz (der wahlweise wie Jamie Campbell Bower oder Taylor Lautner aussah) sie finden würde und ihr alle die schwierigen Herausforderungen des Lebens abnehmen würde. Davon träumte Mary jetzt schon, bis sie ihre vorläufig letzten Tränen vergoss und friedlich einschlief…

 

 


passion of arts

Kunst, Photographie, Grafikdesign, Literatur, Filmkritiken, Lifestyle

Leuchttürme und Schattenplätze

Das Medienmädchenblog

Corlys Lesewelt

Lesen genießen ...

Filmexe - Blog über Filme und Serien

Filme und Serien werden bei uns besprochen, in Form von Kritiken und auch einem Podcast. Jede Woche gibt es zwei Filmkritiken zu Filmen die gerade im Kino laufen oder auch schon länger draußen sind, der Filmpodcast heißt Filmexe Podcast.

Miss Booleana

says "Hello World!"

Cinematographic Tides

Filmische Gezeiten / Filmbesprechungen nach Wetter- und Stimmungslage / Klönschnack inbegriffen

What's Best in Life?

Ein Popkultur-Buchclub für Nerds

serialposting

Serien, Filme und TV

Hurzfilm

Ist das Filmkunst oder kann das weg?

Marcel Michaelsen

Selbsternannter Schriftsteller

Trivial

Friedl Von Grimm - fast eklig polygam

Xeledons Spiegel

"Aber was ist hinter dem Spiegel?" - "Nichts. Und alles."

flightattendantlovesmovies

Die Flugbegleiterin, die gerne gute Filme und Serien guckt und darüber schreibt.

Couchkartoffelchips

Macht jetzt bloß keinen Stress...

Motion Picture Maniacs

Filmblog - Reviews & Filmzitate!

24 Yards per Second

Filme. Football. Und so.

neuesvomschreibtisch

You're gonna be fine.

pieces of emotions

Bücherwurm, Serienfreak & hoffnungsvoller Schreiberling

ergothek

Der Blog mit dem DeLorean

Filmschrott

Schlechte Filme von Mainstream bis Trash. Die Lücke ist kleiner als man denkt.

The Televisioner

Ein subjektives Blog über Serien, Filme und anderen Popkultur-Kram

Singende Lehrerin

Tagebuch einer singenden, film- und serienverrückten Lehrerin

Xanders Blog

Ein Blog über Filme, Fernsehen, Games, Bücher, Comics und sowas.

Wortman

Willkommen in den WortWelteN

moviescape.blog

Texte über Filme, Serien, Popkultur, Laufen und das Vatersein.