Der Kurzkritiken-Sommer #4: Kung Fury (Kurzfilm)

Alter Schwede! Was der Musikvideo-Regisseur David Sandberg dank Crowdfunding mit Kung Fury für eine abgedrehte Hommage an pseudostylishe B-Movies der 1980er gedreht hat, das haut den stärksten Laser-Dino um!

Kurzkritiken-Sommer_Cloud

Seit ihn ein Blitz getroffen hat, ist er nicht mehr einfach nur ein Cop bei der Polizei von Miami, nein „Kung Fury“ (David Sanberg) ist der beste Kung-Fu-Kämpfer der Welt. Seine Kräfte nutzt er freilich im Einsatz gegen Kriminalität. Gerade hat er einen marodierenden Videospielautomaten besiegt, da kündigt sich schon ein wahrlich ebenbürtiger Gegner an: Adolf Hitler (Jorma Taccone) alias „Kung Führer“ ist aus der Nazi-Zeit in die Gegenwart des Jahres 1985 gereist und will die Welt versklaven. Mit der Hilfe des Super-Hackers Hackman (Leopold Nilsson) resit Kung Fury in die Vergangenheit, um Hitler in seiner Zeit zu besiegen. Doch der erste Trip geht schief und Fury landet im Zeitalter der Wikinger und Laser-Dinosaurier…

Kung Fury_PosterBisher fühlte sich Regisseur David Sandberg eher für Werbespots und Musikvideos zuständig. Doch um seinen Traum von einer Kurzfilm-Actionkomödie zu finanzieren startete der Schwede eine erfolgreiche Kickstarter-Kampagne, die 630 000 US-Dollar einbrachte. Was man diesem für Hollywood-Verhältnisse gerade zu mickrigen Budget (lediglich die drittklassigen Billig-Kopien aus dem Hause The Asylum kosten meist weniger) an vergleichsweise ordentlichen CGI-Effekten zustandebringt ist durchaus erstaunlich. Der Film zelebriert bis aufs Äußerste alle Klischees zweiklassiger Actionfilme, die Hauptdarsteller, Drehbuchautor und Inszenator Sandberg so eingefallen sind: ein aus heutiger Sicht gruseliger Synthiepop-Score (inklusive Abspannsong von The Hoff, der auch einen Cameo hat), Bildästhetik der 1980er (inklusiver absichtlicher Abnutzungserscheinungen einer VHS-Kassette), überbordende Kampfszenen, aufreizende Wikingerbabes, schnelle Autos, Dinosaurier in all ihren Facetten (sei es als sprechender Dino-Cop oder Laser-Raptor) und vieles mehr. Bösewicht „Kung Führer“ wirkt mit seinen Moves allerdings eher wie ein John Travolta-Tanzepigone. Inhaltlich hangelt sich die Story dank absurder Gimmicks und ohne einen Hauch Logik von einer videospielhaften Metzelszene zur nächsten. Aber der Star hinter all diesem Spektakel ist natürlich Master Sandberg himself, optisch eine Mischung aus Bruce Lee und dem jungen Tom Cruise, immer einen trockenen Klischeespruch aus der amerikanischen Actionfilmdialogmottenkiste auf den Lippen. In punkto Spaßfaktor können die uninspirierten Schmalspurfilmer von The Asylum hier so Einiges lernen.

Kung Fury kann man sich kostenlos auf Youtube und anderen Videoportalen ansehen. Für 2018 ist eine Fortsetzung in Spielfilmlänge geplant.

7-10Kung Fury
Action/Science-Fiction/Trash-Kurzfilm Schweden 2015. 31 Minuten. Mit: David Sandberg, Jorma Taccone, Leopold Nilsson, Eleni Young, Helene Ahlson, Andreas Cahling, Erik Hornqvist, Frank Sanderson u.a. Drehbuch und Regie: David Sandberg.

Bild (c) Laser Unicorn.

Demnächst beim Kurzkritiken-Sommer:

El Superbeasto (2009)
Underwater Love (2011)

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7 Responses to Der Kurzkritiken-Sommer #4: Kung Fury (Kurzfilm)

  1. Filmschrott sagt:

    Fand den richtig scheiße. Dieses ständige Over-The-Top-Gedöns nervt doch einfach nur und hat mit den 80ern ungefähr so viel zu tun, wie Schamhaarrasuren mit den 70ern. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, dass die 80er Skateboards hatten, mit denen man Autos in die Luft schleudern kann. Sprechende Dinosaurier-Cops und Laser-Raptoren sind mir bisher auch nicht untergekommen.

    Ja, die 80er waren banane, aber im Gegensatz zu dem Quatsch hier hielt man sich trotzdem in einem gewissen Rahmen auf, der irgendwie nachvollziehbar war. Selbst wenn man tausend bescheuerte Ideen in einen Film klatschte, wirkte das insgesamt alles noch „normal“. Die 80er Filme hatten so einen Quatsch nicht nötig. Die waren auch so schlecht.

    Irgendwo hab ich mal gelesen, dass das hier das ist, wie sich ein 20-jähriger Hipster die 80er vorstellt. Das trifft es mMn ganz gut.

    • mwj sagt:

      Ich denke, dass der Regisseur/Hauptdarstelelr älter als 20 ist.

      • Filmschrott sagt:

        Ändert nix daran, dass der Film nicht das ist, was er gerne wäre, mMn.
        Außerdem kam der Satz mit dem 20-Jährigen ja nicht von mir. Weiß nicht mehr, wo ich das gelesen habe. Fand das aber zeimlich treffend.

        Es ist einfach so, dass momentan im Trash-Genre (wozu dieser Film ja eindeutig gehört) der gewollte Trash ganz oben auf der Skala steht. Und da reiht sich dieser Streifen ganz klar ein. Irgendwo zwischen Sharknado und Zombieber.
        Die 80er waren aber eben genau so nicht. So dämlich die Filme damals gewesen sein mögen, sie haben sich selbst ernst genommen. Und eigentlich sind sie erst dadurch überhaupt zu dem Kultschrott geworden, der sie heute nun mal sind.
        Da geht dieser Film einfach mal komplett dran vorbeiund trifft für mich in keinster Weise den Kern der 80er-Filme.

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