Der geniale Serien-Montag (4)

Aus aktuellem Anlass (in Form des neuen Frangn-Dadords) kommt meine Aufarbeitung der neuen Episoden von Game Of Thrones und Penny Dreadful einen Tag später als gewohnt. Die zusätzliche Zeit konnte ich auch gut zur Verarbeitung ebenjener gebrauchen…

Serien-Montag_Cloud

Vorsicht, Spoiler zur Folge 6×05 von Game Of Thrones sowie 3×04 von Penny Dreadful!!!

 

Game Of Thrones: 6×05 „The Door“

Meine Fresse! Was für eine dramatisches und herzzerreißendes Ende! Aber vorher zu allem anderen, was in Westeros, Essos und Umgebung so passiert.

Im Norden trifft sich Sansa (begleitet von Brienne) mit Littlefinger (der entweder ein Jetpack, Auto oder einen Beam-Transporter besitzt; anders lässt sich nicht erklären, wie es der Intrigant schafft, in kürzester Zeit riesige Entferungen zurückzulegen) in Mole’s Town (ehemals der inoffizielle Puff der Nachtwache) und stellt ihn zur Rede. Schließlich hat Lord Baelish die arme Sansa zwar aus den Fängen der Lannisters befreit, sie aber sogleich dem psychopathischen Ramsay als Ehefrau übergeben. Endlich mal eine Situation, aus der sich Littlefinger nicht so einfach herausreden kann. Sansa beweist einmal mehr Stärke, lehnt die Truppenunterstützung aus dem Grünen Tal ab. Nach fünf Staffeln hat sie es auch einfach satt, ständig Spielball der Mächtigen zu sein. Eine wichtige Geheiminformation hat Baelish aber noch für seinen ehemaligen „Schützling“ zum Abschied. In Castle Black besprechen Jon, Sansa, Ser Davos, Melisandre, Brienne und Tormund das weitere Vorgehen. Um gegen die Bolton-Armee bestehen zu könne, müssen unbedingt noch die bisher „unentschlossenen“ Häuser des Nordens für die Sache der Starks gewonnen werden. Wahrscheinlich folgt in den nächsten Folgen nordisches Klinkenputzen, bis es dann in der wohl wieder berüchtigten Folge 9 zum großen Kampf kommt. Beim Ausritt aus Castle Black bekommen die Brienne-und-Tormund-Shipper ein eindeutiges Grinsen des Wildlingsrotbartes spendiert. Yeah, baby, yeah!

Auf dem östlichen Kontinent, genauer in der Dothraki-„Stadt“ Vaes Dothrak erklärt Ser Jorah Mormont erneut seine grenzenlose Loyalität und erstmals auch ausdrücklich seine Liebe zu Daenerys, die gleichsam wie der Zuschauer von diesem Geständnis sichtlich bewegt ist. Sie erlaubt dem treuen Ritter zu gehen, befiehlt ihm aber dirngend nach einer Heilung für seine Greyscale-Schuppenflechte zu suchen. Schöne Szene, aber wie soll das funktionieren? Jorah klappert demnächst wohl alle Möglichkeiten ab, die Zitadelle der Maester in Oldtown, diverse Wunderheiler und Quacksalber, rote Priester(innen), bis er am Ende doch bei Dr. Oyburnstein landet, der ihn zwar nicht vor dem Tod retten kann, aber dank dubioser Experimente Jorah als den untoten „Ser Friendzone“ auferstehen lässt.

Tyrion und Varys, Danys „Truchsesse“, treffen sich in Mereen miz der roten Priesterin Kinvara und bitten sie um religiöse Propaganda-Unterstützung für die Drachenkönigin und ihre Politik, damit der junge, zerbrechliche Friede in der Stadt erstmal so bleibt. Kinvara trägt die gleiche Arbeitskleidung wie ihre in Westeros wirkende Kollegin und stimmt dem Plan zu, schafft es Varys mit pikanten Details einzuschüchtern.

Nachdem sie sich zum 5000.Mal mit „The Waif“ Stockfights geliefert hat, bekommt Arya/A Girl/No One ihren nächsten Auftragsmordauftrag. Sie soll die Schauspielerin Lady Crane (gespielt von Essie „Miss Fisher“ Davis) töten. Lady Crane ist Mitglied in einem fahrenden Theater-Ensemble, das in Braavos eine „satirisches“ Stück über die Vorgänge um König Roberts Ableben und die Nachwehen in King’s Landing aufführt. Das geschieht im Stile der Satyrspiele, wie sie in der HBO-Historienserie Rome gezeigt wurden. Im Gegensatz zum Braavosier Publikum findet Arya das Stück gar nicht lustig.

Auf den Iron Islands verläuft der Konigsthing für Yara/Asha und ihren supporting brother Theon solange gut, bis der böse Onkel Euron auftaucht und seinen genialen Masterplan verkündet. Natürlich wird dann Euron nach Ertrinkungszeremonie vom anderen Onkel, dem Priester Aeron, zum König des Inselvölkchens gekrönt. Nichte und Neffe nehmen Reißaus und gleichmal möglichst viele Schiffe mit.

Doch nun zum Haupthandlungsstrang von „The Door“! Bran erfährt durch eine Vision, wer die White Walker erschaffen hat. Erster Plottwist. Wow. Dann fasst Bran dummerweise den falschen Stecker Ast an und teleportiert sich vor die Höhle des dreiäugigen Rabens, wo der Night King mit seinen drei White Walker-Musketieren und vielen Untoten wartet. Weil der Night King Bran seinen magischen Handabdruck verpasst, ist die Höhle von nun an kein sicherer Zufluchtsort mehr. Schnell will der alte Rabe seinem Schüler noch eine letzte Vision zeigen, da geht es Schlag auf Schlag. Die „Walking Dead“ und ihre eisigen Anführer dringen in die Höhle ein. Meera und die anwesenden Children Of The Forest kämpfen so gut sie können. Mit dem nur halb anwesenden Bran schaffen es Meera und Hodor hinaus, der dreiäugige Rabe, Schattenwolf Summer und die Children haben sich quasi geopfert. Es folgt eine der dramatischsten und herzzerreißendsten Wendungen der Fernsehgeschichte. Während Bran zwischen Gegenwart und der Vergangenheit zu Zeiten als sein Vater und dessen Geschwister sowie Hodor/Wyllis noch Kinder waren wandelt, wargt er in Hodor und zwar in beide! Und jetzt erfahren wir auch, wie Hodor, der sich in der Gegenwart opfert, das titelgebende Tor so lange hält, bis ihn die Untoten zerfleischen, zu Hodor wurde. Das „magische Echo“ dieser selbstlosen Tat überträgt sich auf den bis grade noch normalen dicken Stallburschen in der Vergangenheit, der in einem intensiven Anfall zusammenbricht, x-fach Meeras Befehl „Hold The Door“ wiederholt, bis daraus nur noch ein Stammeln wird: „Hodor.“

Meine Güte, was habe ich geflennt. Wenn ich mir die Folge bald erneut ansehe, werde ich es vielleicht wieder tun. Dieser TV-Moment 2016 ist wohl kaum zu toppen.

 

Game Of Thrones_6x05_Hold The Door
Hold The Door!

 

 

Penny Dreadful: 3×04 „A Blade Of Grass“

Die Hammer-Folge von GoT noch nicht verdaut, gönne ich mich noch am selben Abend die neue Episode von „Penny“, in welcher zum dritten Mal in der Serie sich eine komplette Folge nur um die Vergangenheit von Vanessa Ives dreht. Doch im Gegensatz zu Closer Than Sisters (1×05) und The Night Comers (2×03) gibt es hier keine Nebenfiguren. Ein 57minütiges 3-Personen-Stück, das bis auf die Rahmengeschichte am Anfang und Ende sich ausschließlich in einer Gummizelle abspielt.

Penny Dreadful_3x04_ZelleUnter Hypnose von Dr. Seward erinnert sich Vanessa an die Zeit in der Psychiatrie, an die man sich (nimmt man die entsprechenden Szenen aus Season 1) eigentlich nicht erinnern möchte. Meist völlig katatonisch sitzt die verwahrloste Vanessa in ihrer Gummizelle, wenn sie nicht gerade ausflippt oder mit den Fingernägeln am Stoff der Wände scharrt (gruseliges Geräusch, da schüttelt es mich!). Wie wir seit der Schlussszene der vorherigen Episode wissen, ist der zuständige Krankenpfleger niemand anderes als Frankensteins Monster/The Creature alias Caliban alias John Clare vor dem Tod und der Wiederauferstehung. Seine primären Aufgaben scheinen zu sein, der isolierten Patientin Essen zu bringen und ihren Nachttopf auszuwechseln. Doch er meint es trotz der menschenunwürdigen Umstände gut mit Vanessa und gibt ihr zu verstehen, dass es ihr unbedingt bald besser gehen muss, ansonsten wartet die Folterabteilung der Psychiatrie mit ihren „schönen“ Apparaturen und Methoden. Patientin und Pfleger bauen eine Art „freundschaftliche“ Beziehung auf, auch wenn Vanessas bisweilen wildes Benehmen umgehend sanktioniert wird (Zwangsjacke, Maulsperre). Zwischenzeitlich erscheint Dr. Seward und mahnt Vanessa, wieder in die Gegenwart zurückzukehren.

Als man sich an den Ton des Geschehens gewöhnt hat, verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Alptraum. Der Pfleger bekommt plötzlich rote Augen und begrüßt als Lucifer in Menschengestalt seine geliebte Vanessa. Später taucht in gleicher Gestalt noch Dracula auf. Beides verkörpert von Rory Kinnear. Falls jemand seit Penny Dreadful überhaupt Zweifel an den schauspielerischen Fähigkeiten von Eva Green hätte, so dürften sie spätestens nach dieser Folge weggefegt sein. Green pendelt mit gewohnt übermenschlichem Körpereinsatz zwischen hilfloser, gebrochener Seele und wildem, in die Enge getriebenem Tier, wirft ihrem Gegenüber und den Zuschauer Blicke zu, dass es einem ganz anders werden kann. Wann wird diese grandiose Leistung endlich mit einem großen Award gewürdigt?

Jedenfalls war dieser Montag, der 23. Mai 2016, für mich en denkwürdiger Serien-Tag.

To be continued…

Bilder (C) HBO/Showtime.

 

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8 Responses to Der geniale Serien-Montag (4)

  1. Wortman sagt:

    Das war schon wirklich heftig am Ende der GoT – Folge.

  2. olivesunshine91 sagt:

    Ich muss schon fast wieder heulen, wenn ich dein Recap lese. Ach, Hodor. Ich vermiss ihn schon jetzt total :/

  3. […] Der geniale Serien-Montag (1) Der geniale Serien-Montag (2) Der geniale Serien-Montag (3) Der geniale Serien-Montag (4) Der geniale Serien-Montag (5) (jeweils mit Besprechung der neuen Folgen von Game Of Thrones und […]

  4. […] Eine der stärksten Episoden von Penny Dreadful spielt fast ausschließlich im Inneren einer […]

  5. […] Game Of Thrones: „The Battle Of The Bastards“ (6×09) Penny Dreadful: „A Blade Of Grass“ […]

  6. […] Tagen habe ich die Season einer Wiederholungssichtung unterzogen und dabei am Ende von Folge 5 (The Door) wieder wie ein Schlosshund geheult. Heute nach der Arbeit werde ich endlich in den Genuss der 61. […]

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