Der geniale Serien-Montag

Seit gestern (2. Mai 2016) und für die nächsten paar Wochen komme ich in den Genuss der Königsklasse der aktuellen Serienwelt. Denn immer montags gibt es die brandneuen Folgen von Game Of Thrones und Penny Dreadful online zu streamen. Der Traum eines Fans hochwertigster TV-Produktionen.

Schon seit dem 25. April 2016 kann man sich hierzulande über ein Abo bei Sky Online jeden Montag die neue Folge der sechsten Staffel der epischen Fantasy-Drama-Serie Game Of Thrones sowohl in der englischen Original-Fassung als auch auf Deutsch ansehen. Lediglich auf Untertitel muss man bei Sky Online verzichten. Der gestrige Montag erweiterte für mich den Seriengenuss zu Beginn der Woche durch den gleichsam zeitnahen Start der dritten Staffel von Penny Dreadful, jener so intensiven und stimmigen Horror-Pastiche, die über Netflix (Englisch und Deutsch plus jeweilige Untertitel) verfügbar ist.

 

Vorsicht, Spoiler zu den Folgen 6×01 und 6×02 von Game Of Thrones sowie 3×01 von Penny Dreadful!!!

 

Game Of Thrones_Season 6_Poster

 

Game Of Thrones: 6×01 „The Red Woman“ / 6×02 „Home“

Die erste Folge war für eine Staffelpremiere gewohnt solide. Jon Snow immer noch tot (Kit Harington hat Recht, er spielt die Leiche wirklich herausragend!) und Melisandre ist so konsterniert, dass sie dem Zuschauer ihr wahres Aussehen offenbart (Internetkommentar dazu „The night is dark and full of wrinkles!“). Wenn man die dazugehörige Buchreihe A Song Of Ice And Fire von George R.R. Martin gelesen hat, dann weiß man von den Rubinen, die von der roten Priesterin zum „Glamouring“ verwendet werden, und dass sie mindestens 100 Jahre alt sein muss. Oder älter.

Da die Serien-Autoren David Benioff, D.B. Weiss und Co den Handlungsstrang um die südlichste Westeros-Region Dorne, den sie in der fünften Staffel begannen, von vorneherein so richtig verhauen haben (vor allem dahingehend, dass die Rolle der Dorne-Erbin und vielschichtigen Frauenfigur Arianne Martell aus den Büchern, die in der Serie fehlt, zum Teil auf Ellaria Sand und die grottenschlecht als sexualisierte Kampfmiezen konzipierten Sand Snakes übertragen wurde.). Das führen die Showrunner mit der „Wir bringen alle legitimen Erben des Herrscherhauses Martell um“-Aktion von Ellaria, ihrer Tochter Tyene und ihren Stieftöchtern Obara und Nymeria, konsequent weiter. Hoffen wir für den charismatischen Alexander Siddig (Star Trek: Deep Space Nine) alias Prince Doran „Man/Frau bringt keinen Mann im Rollstuhl um“ Martell, dass für die (vermutlich) zwei Drehtage wenigstens der Gehaltsscheck gestimmt hat. Irgendwie hoffe ich ja, dass Dorans geheim gehaltener, entfernter Cousin Machete Martell (mit gewohnter Gravitas verkörpert von Altlatinometzler Danny Trejo) auftaucht. Das Volk leidet unter der Schreckensherrschaft von Ellaria und ihren Killermiezen („We need a hero, we need a revolution, we need you, Machete!“). Als erstes schnetzelt sich der rüstige 71jährige durch die Reihen der verräterischen Wachen, wobei er sich an den Gedärmen mancher Soldaten über die Wasserbecken hangelt. Den Gärtner der „Water Garden“ verschont er, haut ihm nur eins auf die Rübe. In der Höhle der Schlangen angekommen, versuchen diese ihn erstmal zu vergiften, aber der grimmige Vetter zeigt sich völlig unbeeindruckt („Machete braucht kein Gegengift!“). Jedoch gelingt es Machete, mit seiner famosen Präsenz und seinem unwiderstehlichen Charme, die vier Damen (Ellaria, Obara, Nym, Tyene) zum Dreh eines Pool-Pornos in den Wasserbecken zu überreden. („You want the good dick but you need the bad machete!“). Aber genug des Dorne-Bashings.

Kommen wir zur nächsten Folge, in welcher etwas mehr passiert und fast beiläufig Patrizid, Fratrizid und Stiefmutter-/-Halbbruderizid vonstatten gehen. Holla, die Waldafee! Doch als erstes kehren Bran Stark & Co aus den Ferien namens Staffel 5 zurück. Wieso sieht das „Child Of The Forest“ eigentlich neuerdings aus, als hätten es die Castingleute direkt aus einer Aufführung von Cats geholt? Mit dem dreiäugigen Raben macht Bran per Wehrholz-Matrix eine Reise in die Vergangenheit, als die Ecken noch rund, die Holzstiefel aus Holz und Hodor noch kleiner und rundlicher war und Wyllis hieß und normal sprechen konnte. Nebenbei treffen wir Ned, Lyanna und Benjen Stark als Kinder. Die für die Serie wohl interessanteste Rückblende wird es in der dritten Episode geben, Stichwort „Tower Of Joy“. Und vielleicht wird das Geheimnis um die wahre Herkunft einer anderen Figur gelöst.

Nachdem die Greyjoys, also Theons Familie, in Season vier und fünf chronisch unterrepräsentiert waren, wird in Runde sechs gleichmal Nägel mit Köpfen gemacht. Das haut den stärksten alten König von der Brücke. Und eine plausible Theorie zum Ableben von Balon Greyjoy wird durch die Serie quasi bestätigt. Oder hat Balon im Roman in Wirklichkeit seinen Hängebrücken-tauglichen Rollator vergessen? Wer hat eigentlich die Baugenehmigungen für Pyke, die Hauptstadt der Iron Islands erteilt? Hoffentlich hat dieser Jemand beim Flughafen BER nicht seine Finger im Spiel. Den könnte man analog zur Westeros-Hauptstadt einfach in „No Landing“ umbenennen.

Und unser aller LLC (Lieblingslordcommander) ist wieder am Leben. Melisandre (wieder jung, aber desillusioniert und frierend) zerschnippelt ein paar Haare und wirft sie ins Feuer, murmelt eine valyrische Wiederbelebungsformel, sprachlich fast so furios wie die mit Teufelszunge radebrechende Vanessa Ives (Eva Green) aus Penny Dreadful. Ja, ich hätte mir natürlich gewünscht, dass der „Charme of Making“ aus Excalibur hier zum Einsatz kommt. Man kann nicht alles haben. Die Verräter/Mörder der Nachtwache wurden dank einer gut getimten „Wun-Wun-Situation“ festgesetzt.

Mit etwas mehr Ernst widmen wir uns nun der anderen genialen Serie des Montags. 

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Penny Dreadful: 3×01 „The Day Tennyson Died“

Dem Herrgot sei Dank gab es ihm viktorianischen England des späten 19. Jahrhunderts weder Fernsehen noch Doku-Soaps. Denn sonst wäre Vanessa Ives in dieser Folge ein Fall für „Das viktorianische Messie-Haus“ gewesen. Aber schon der erste Besuch bei der weiblichen No-Nonsense-Psychologin Dr. Seward (gespielt von Patti LuPone, die wir als „Cut-Wife“ aus Staffel 2 kennen) holt die einsame Heldin wieder aus ihrer Lethargie. Danach ein erquickender Besuch von ausgestopftn Tieren im Museum, welcher Vanessa nicht nur die Bekanntschaft eines charmanten Biologen einbringt sondern auch die Begeisterung für ihr altes Hobby, Taxidermie, wieder erweckt. Ich finde, zu ausgestopften Tieren passt besonders gut der Spruch der Anhänger des „Ertrunkenen Gottes“ von den Iron Islands aus Game Of Thrones: „What is dead may never die.“

Währenddessen wird Ethan Talbot alias Ethan Chandler alias „The Wolf-Man“ von Inspektor Hodge zur Hinrichtung quer durch den Wilden Westen eskortiert. Nach einem kleinen Eisenbahnmassaker mitten in der Pampa, sacken aber ein paar Outlaws Ethan ein, die natürlich für seinen grenzenlos einflussreichen Daddy arbeiten. Irgendwo in bzw. außerhalb einer Bar in Sansibar (formerly known as „German East Africa“) trifft Ex-Abenteurer Sir Malcolm Murray (Timothy Dalton in einer seiner besten Rollen seit 1989) auf einen amerikanischen Ureinwohner, der zufällig ein Freund von Ethan ist (tja, früher war die Welt halt noch nicht so groß!).

Ähnlich wie GoT kann sich auch „Penny“ den Luxus leisten, nicht alle Figuren in jeder Episode erscheinen zu lassen. In der Premiere der dritten Staffel pausiert mal wieder Dorian Gray. Kurz zu sehen ist dagegen meine zweite Lieblingsfigur der Serie (neben Vanessa): Frankensteins erste Schöpfung aka The Creature aka Caliban aka John Clare, der durch eine unvorhergesehene Wendung plötzlich seine Nordpol-Todesreise abbricht. Im verfallenen Dachboden von Dr. Frankenstein trifft dieser auf seinen alten Studienfreund namens Dr. Jekyll und bittet ihn um Mithilfe bei der Vernichtung“ von Schöpfung Nr. 3: Brona alias Lily Frankenstein, die vermutlich in ihrer Abwesenheit fleißig Weltherrschaftspläne mit ihrer noch besseren Hälfte Dorian Gray schmiedet. Am Ende der Episode wird der große Endgegner der Season vorgestellt. Das irritiert mich etwas. Vampire gab es doch schon in Staffel 1. Aber immerhin weiß ich jetzt, was die krabbelnden Gruseltypen aus dem Trailer bedeuten.

Fazit: Im Vergleich der Staffelpremieren schneidet aus meiner Sicht „Penny“ etwas besser ab, vor allem weil hier Vorahnung besser zelebriert wird. Aber GoT ist nach zwei insgesamt starken Folgen auf einem guten Weg, die etwas schwächere 5. Season (Dorne!) wieder ausbügeln zu können. More to come next Monday!

Bilder (C) HBO/Showtime.

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3 Responses to Der geniale Serien-Montag

  1. […] Ohren scheint. Wärmer müsste es aus meiner Sicht nicht werden. Bevor später nach der Arbeit mein Super-Serien-Montag in die zweite Runde geht, gibt’s die Antworten auf die neuen Fragen des Media […]

  2. […] wollte ich letzte Woche nur ein paar kurze Kommentarschnipsel zu den neuen Folgen von Game Of Thrones (Staffel 6) und Penny […]

  3. […] Der geniale Serien-Montag (1) Der geniale Serien-Montag (2) Der geniale Serien-Montag (3) Der geniale Serien-Montag (4) Der […]

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