Peacock

Es ist immer wieder erstaunlich welche Filme ein Dasein als Geheimtipp auf dem DVD-Markt fristen. Dazu gehört auch der nicht unprominent besetzte Streifen Peacock, mit Cillian Murphy in einer Doppelrolle.

8-10Peacock
Psychodrama USA 2010. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 87 Minuten (PAL-DVD). Mit: Cillian Murphy, Ellen Page, Susan Sarandon, Josh Lucas, Keith Carradine, Bill Pullman u.a. Regie: Michael Lander.
Drehbuch: Michael Lander & Ryan Roy.

Peacock_DVD

Die amerikanische Kleinstadt Peacock in den 1950er oder 1960er Jahren. Als Kind wurde John Skillpa (Cillian Murphy) von seiner Mutter schwer misshandelt. Ein Jahr nach ihrem Tod verarbeitet der scheue Bankangestellte seinen „Verlust“ durch die Bildung einer zweiten Persönlichkeit, Emma. Sein weibliches Alter Ego bereitet ihm täglich Frühstück und Abendessen zu. Die geheime Routine wird jäh unterbrochen als ein entgleister Güterwaggon im Vorgarten des Hauses landet und Emma sich zufällig draußen aufhält. Nun wird die Nachbarschaft auf die bisher Unbekannte aufmerksam. John erklärt, dass Emma seine Frau sei und sie kurz nach dem Dahinscheiden seiner Mutter geheiratet hätten. Von den Mitbürgern wird Emma in der Gemeinde begrüßt. Bürgermeistergattin Fanny Crill (Susan Sarandon) ermutigt Emma, sich für Frauen in Not zu engagieren. Dabei trifft Emma auf die in ärmlichen Verhältnissen lebende, alleinerziehende junge Mutter Maggie (Ellen Page), die John seit Kindheit kennt. John ist allerdings mit dem immer zeitaufwändigeren Engagement seiner „Frau“ so gar nicht einverstanden…

Peacock_EmmaIm Grunde ist die Figur des John Skillpa dem berüchtigten Norman Bates aus Alfred Hitchcocks Klassiker Psycho nicht unähnlich. Beide haben eine dissoziative Persönlichkeitsstörung und eine ähnliche Vorgeschichte. Doch im Gegensatz zu Norman ist John kein Serienmörder. Regisseur Michael Lander geht es bei seinem Langfilmdebüt auch nicht einen möglichst reißerischen Thriller mit Nerven zerreißener Spannung zu erschaffen. Die Psyche seines Protagonisten wird zudem eher wenig erforscht. Der Schwerpunkt liegt hier eindeutig auf der Entdeckung von Johns zweiter Persönlichkeit und wie sich diese in die Gemeinschaft der Kleinstadt Peacock integriert. Das hat natürlich zur Folge, dass das Gleichgewicht zwischen John und Emma zu ungunsten des ersteren verschoben wird. Nach seiner Mutter gibt es quasi eine neue dominante Person in seinem Leben.

Da man auch als Zuschauer zwischenzeitlich vergisst, dass es sich bei John und Emma nicht um zwei verschiedene Menschen handelt, erscheint es auch durchaus nachvollziehbar, dass die Einwohner Peacocks Emma als eigene Person wahrnehmen. Allein dieser Umstand verdeutlich wie nuanciert das Spiel von Hauptdarsteller Cillian Murphy in einer besonders heterogenen Doppelrolle ist. Ein großes Lob muss man auch den Maskenbildern aussprechen, die es geschafft habe, aus ein und demselben Gesicht zwei verschiedene Personen zu zaubern.

Fazit: Peacock funktioniert als leiser Film über eine gravierende psychosoziale Störung und die Auswirkungen auf das Umfeld einer Kleinstadt vor allem durch das grandiose Spiel von Hauptdarsteller Cillian Murphy. 8 von 10 Punkten.

 


Bilder (c) Studiocanal.

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2 Responses to Peacock

  1. […] (Cillian Murphy), Peacock (2010) Nach dem Tod seiner grausamen Mutter kompensiert der traumatisierte junge Mann John ihren […]

  2. […] 2010 Blue Valentine 2010 Gainsbourg – Der Mann, der die Frauen liebte 2010 Inception 2010 Peacock 2010 Super 2010 […]

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