TRON: Legacy

Seit längerem plante Disney eine Fortsetzung seines stilprägenden Science-Fiction-Films Tron. Doch erst nach 28 Jahren ist es nun endlich soweit. TRON: Legacy kommt mit aufwendigen Effekten und in 3D daher. Doch wie sieht es mit der Story aus?

TRON: Legacy
Science-Fiction-Film USA 2010. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 125 Minuten. Kinostart: 27. Januar 2011.
Mit: Garrett Hedlund, Jeff Bridges, Olivia Wilde, Bruce Boxleitner, James Frain, Beau Garrett, Michael Sheen u.a. Regie: Joseph Kosinski. Nach Charakteren von Steven Lisberger und Bonnie MacBird.

Leere Designhülle

Das Computergenie Kevin Flynn (Jeff Bridges), Chef des Unternehmens ENCOM, erzählt seinem Sohn Sam (Owen Best) jede Nacht von seinen Abenteuern in der Welt des Computerspiels TRON. Doch eines Tages verschwindet Kevin Flynn spurlos. 20 Jahre später macht sich Sam (Garrett Hedlund) auf die Suche nach seinem Vater, nachdem Kevins alter Weggefährte Alan Bradley (Bruce Boxleitner), der für Sam wie ein zweiter Vater war, ihm einen Hinweis gegeben hat. In der Spielhalle seines Vaters wird Sam in die digitale Computerwelt übertragen. Dort muss er sich in tödlichen Spielen im Kampf gegen andere Programme und gefährliche Gegner beweisen. Es stellt sich heraus, dass Clu (Jeff Bridges), den Kevin Flynn einst nach seinem Ebenbild erschuf, sich zum Tyrannen des als Raster bekannten Systems aufgeschwungen hat und dort alle fehlerhaften Programme zum Tode verurteilt. Nach einer halsbrecherischen Motorradjagd wird Sam von dem weiblichen Programm Quorra (Olivia Wilde) gerettet, die ihn außerhalb des Rasters in das geheime Versteck seines Vaters bringt. Sam bleiben nur noch acht Stunden Zeit, wieder in die reale Welt zurück zu kehren.

Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre wandte sich Disney verstärkt dem Science-Fiction-Genre zu. Eine der Kinofilme aus dieser Zeit war Tron (1982), der zum großen Teil im „Inneren“ eines Computers spielt. Der Film war einer der ersten mit längeren im Computer generierten Sequenzen. Die meisten der surreal anmutenden Szenen des Films wurden allerdings durch das sog. Backlight-Verfahren animiert. Obwohl Tron kein großer Erfolg war, sorgte der einzigartige Look des Films für einen gewissen Kultstatus. 2005 entschloss sich Disney eine Fortsetzung zu produzieren und beauftragte mehrere Drehbuchautoren. Die Arbeiten am Sequel TRON: Legacy begannen 2008 und ab April 2009 wurde gedreht. Die Post Production des Films dauert aufgrund der allgegenwärtigen Computereffekte über ein Jahr.

Versprüht der alte Film noch den Charme von Videospielen aus den 1980ern, so ist der visuelle Stil von TRON: Legacy natürlich völlig zeitgemäß gestaltet. Rein funktional ist die Computerwelt gleich geblieben, selbst einige der Fluggeräte sehen fast wie die Vorgänger aus dem Originalfilm aus. Insgesamt überzeugt die Fortsetzung als zweistündige Design-Orgie. Es sieht wirklich spektakulär aus, wie die Kamera durch die virtuelle Welt fährt und auch die dritte Dimension macht hier weitgehend Sinn. Der Film ist glücklicherweise nicht zu überladen, sondern bietet gut portionierte Actionszenen.

Das Problem von TRON: Legacy ist offensichtlich: der Film ist mit zwei Stunden einfach zu lang. Die Story in Tron war zwar recht einfach gestrickt und hatte am Ende Logiklöcher, passte aber für die Laufzeit von etwa 90 Minuten gut. Bei der Fortsetzung gibt es noch weniger Inhalt in über einer halben Stunde länger, was dazu führt, dass sich der Film zieht und zeitweise ohne großen Inhalt vor sich hindümpelt. Vor allem die belanglosen und öden Dialogszenen scheinen sich teilweise endlos hinzuziehen. Dem mageren Inhalt hätte auch eine Laufzeit um 90 Minuten oder etwas weniger gereicht.

Wie im Vorgänger ist aufgrund der Übereffekte schauspielerisch nichts raus zu holen. Garrett Hedlund (Troja) scheint als Flynns Sohn nur den erstaunten Gesichtsausdruck auf Lager zu haben und selbst ein Jeff Bridges in doppelter Ausführung (als computergenerierte junge und als „echte“ alte Version) kann hier wenig ausrichten. Einzig Michael Sheen (Die Queen) darf sich in einer Nebenrolle  als durchgestylter Barbesitzer Castor darstellerisch austoben.

Und dann wäre da noch die Filmmusik von Daft Punk, den beiden allzeit maskierten französischen Elektronikmusikern. Aus den Musikvideos zu den Singles des Albums Discovery (2001) wurde  mit Interstella 5555 ein knapp abendfüllender SF-Anime. Da sie selbst große Fans von Tron sind, ließen es sich Daft Punk natürlich nicht entgehen, neben einem Kurzauftritt als DJs in ihren Masken, den Score für TRON: Legacy zu komponieren und mit einem großen Orchester aufzunehmen. Heraus kam sehr stimmungsvolle Filmmusik, die über weite Strecken die Szenen gut untermalt. Aber mit der Zeit nutzt sich deren Potenzial ab und so hat man manchmal das Gefühl, Elektronik-Guru Klaus Schulze hätte seine bisweilen redundanten Klanglandschaften darunter gemischt.

Fazit: Coole Optik, aber inhaltlich erschreckend leere Designhülle und deshalb viel zu lang.

Bild © Disney.

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